Über hundert Delegierte des Auslandschweizerrats (ASR), des höchsten Organs der Auslandschwei zer-Organisation (ASO), trafen sich am 20. März im Kursaal in Bern und online zu ihrer ersten Sitzung im 2026. Neben statutarischen Geschäften widmete sich der Rat einem aktuellen politischen Thema, das die Fünfte Schweiz sehr direkt betrifft: Die Delegierten forderten zur Ablehnung der Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz (Nachhaltigkeitsinitiative)» am 14. Juni auf. 57 Prozent aller Auslandschweizer:innen, also rund 475 000 Personen, leben in einem EU- oder EFTA Staat. Das Freizügigkeitsabkommen (FZA) regelt ihre Aufenthalts- und Arbeitsbedingungen. Dieses für die Auslandschweizer:innen zentrale Abkommen wäre bei Annahme der Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» gefährdet: Falls die Bevölkerung zehn Millionen überschreitet und keine Ausnahmeregelung mit der EU erzielt werden kann, müsste die Schweiz gemäss Bundesrat das Freizügigkeitsabkommen kündigen. Dies würde erhebliche Unsicherheiten für die Aufenthaltsrechte, die Niederlassung sowie für Rückkehrperspektiven von Auslandschweizerfamilien, insbesondere in binationalen Konstellationen, schaffen. Der Auslandschweizerrat setzte sich deshalb an seiner heutigen Sitzung für die Personenfreizügigkeit ein und appellierte an das Schweizer Stimmvolk, die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» abzulehnen. Er bestätigt damit die bisherige Linie zugunsten der Personenfreizügigkeit.
Neu in den Auslandschweizerrat gewählt wurden die beiden Inlandmitglieder Simon Michel (FDP) und Christine Badertscher (Grüne). Sie werden die Interessen der Auslandschweizer:innen in den eidgenössischen Räten vertreten.
Am 22. November 2025 fand eine virtuelle Sitzung des Auslandschweizerrates statt. Swissinfo hat den Inhalt der Sitzung sehr gut zusammengefasst (siehe Link). Wohl das wichtigste Traktandum bildeten die Legislaturziele, welche basierend auf einer Umfrage bei den Delegierten definiert werden sollen. Aus den Rückmeldungen kristallisierten sich sechs inhaltliche Linien heraus:
Verstärkte Digitalisierung, etwa durch den Ausbau von Online-Plattformen, die Nutzung der E-ID und die Unterstützung von E-Voting und elektronischen Unterschriftensammlungen
Überarbeitung des Reglements der ASO sowie weiterer rechtlicher Grundlagen
Integrierte Kommunikation unter effizienter Nutzung aller Kanäle
Konstruktive Dialogkultur aufbauen und Partizipation stärken
Vermehrte Angebote und Einbindung von jüngeren Auslandschweizerinnen und -schweizern
Weiterverfolgung der langjährigen politischen Ziele – von Banklösungen über Krankenversicherungsthemen bis hin zu Fragen rund um AHV und IV.
Die endgültigen Legislaturziele sollen in der Märzsitzung verabschiedet werden.
swissinfo-Artikel: Der Auslandschweizer-Rat zwischen Umbruch und Sparzwang
Ende August nahm ich an den SwissCommunity Days und der ersten Sitzung des neuen ASO-Semesters in Bern teil. ASO steht für Auslandschweizer Organisation. Diese 2 Tage markierten den Beginn meines Mandats und boten eine umfassende Einführung in meine Verantwortung als Delegierte.
Die SwissCommunity Days dienten als eine Art Bootcamp für neu gewählte Mitglieder, da nach der teilweisen Einführung eines Direktwahlsystems in dieser Amtszeit fast 40% des Rates neu sind. Das Programm umfasste Präsentationen wichtiger Schweizer Institutionen wie:
SwissInfo – zu Medien und Kommunikation für Schweizer im Ausland;
Education Suisse – zu Stipendien und Bildungsmöglichkeiten;
Soliswiss – über Unterstützungsleistungen für Schweizer im Ausland
Zürcher und Genfer Kantonalbanken – zu Banklösungen für im Ausland lebende Schweizer Bürgerinnen und Bürger
Der zweite Tag war der formellen Sitzung des Rates gewidmet, bei der wichtige Abstimmungen stattfanden, darunter die Wahl des Exekutivkomitees. Wir haben auch spannende Referate gehört von:
Präsidentin des Nationalrats, Maia Riniker
Botschafter aus Singapur, Israel und Neuseeland
SwissInfo-Journalisten, die Einblicke in die Außenbeziehungen der Schweiz und die sich entwickelnde Rolle der ASO gaben
Sitzungsinhalt war auch eine Präsentation zu den Bilateralen III, in der der künftige Rahmen der Beziehungen der Schweiz zur EU dargelegt wird. Ein mögliches Referendum wird für 2027 erwartet.
Ich verließ Bern mit einem tieferen Verständnis meines Mandats, einem starken Netzwerk von Delegiertenkolleginnen und Kollegen und einem klaren Zielbewusstsein: mich für die Bedürfnisse der Schweizerinnen und Schweizer im Ausland einzusetzen und sicherzustellen, dass unsere Gemeinschaft in Zentralamerika gut vertreten ist.